Friedrich Simony: Ein Leben für den Dachstein

90 Jahre Steinerweg Dachstein

Seit über 118 Jahren ist Friedrich Simony tot. Und doch ist er allgegenwärtig: Simonyhütte, Simonyhöhle, Simonywarte, Simonyscharte, Simony-Gedenkstein in Hallstatt. Simonystraßen in Wien, Linz und anderen österreichischen Orten. Zwei Simonyspitzen in der Venedigergruppe, eine Simonyschneide und ein Simonygletscher im Nördlichen Polarmeer (Franz-Josef Land). „Simonyit“ ist ein seltenes Begleitmineral des Steinsalzes (Natrium-Magnesium-Sulfat). Und nicht zu vergessen das „Hotel Simony“ – ein kleiner Unterstand, welcher 1843 vom Namensgeber selbst errichtet wurde. Der Name stammt jedoch von den einheimischen Dachsteinpionieren, welche die Unterkunft scherzhaft „Hotel“ nannten.

Friedrich Simony war nicht nur einer der bedeutendsten Geografen des 19. Jahrhunderts, er war auch Wissenschaftler, Universitätsprofessor, Bergsteiger, Höhlen-forscher, Schriftsteller, Maler, Zeichner und Fotograf. Ein vielseitiger Mensch, der in seinen jungen Jahren über Wien ins Salzkammergut wanderte, um von dort den Dachstein im Winter zu erklimmen. Er setzte die gewagte Idee in die Tat um, gleichzeitig erkannte er auch die Schönheit dieses einzigartigen Gebietes, welches er Zeit seines Lebens untersuchte. Das ist auch der Grund, warum er heute noch als „Dachstein Professor“ bekannt ist, obwohl er kein Kind der Berge war.

Ein Leben im Flachland
Am 30. November 1813 erblickte Friedrich Simony in Hrochowteinitz (Böhmen) das Licht der Welt. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, führte sein Weg über das Gymnasium in Mikulov, welches er jedoch wegen
einer Apothekerlehre verließ. 1833 kam Simony nach Wien und begann sein Pharmazie-Studium, welches er 1835 beendete. Danach widmete er sich dem Studium der Naturwissenschaften. 1840 wanderte er mit drei Freunden von Wien nach Aussee und kam erstmals nach Hallstatt. Dort bestieg er zum ersten Mal das Dachsteinplateau. Zusammen mit dem Bergführer Johann Wallner kletterte er bis zum Hohen Gjaidstein. Der Beginn einer lebenslangen Verbundenheit zwischen Mensch und Berg.
1842 kommt Simony zurück und schafft es auf den Gipfel des Dachsteins. Jedoch ist der Aufstieg sehr schwierig und „ein recht abscheuliches Klettern“. Deswegen verfasst Simony ein Schreiben und sucht nach „begüteten Freunden der Alpennatur“, welcher der „Gangbarmachung“ des Dachsteins „eine kleine Summe opfern“. Die Ausbeute von 260 Gulden wird in die Erbauung der Steighilfe investiert und so ist es Johann Wallner, der Bergführer von Simony, der den ersten Klettersteig des Dachsteins erbaut. Am 16. September 1843 erreichte Friedrich Simony zum ersten Mal den Gipfel des Dachsteins über den Klettersteig. Prompt übernachtete er am Gipfel – wahrscheinlich mit dem Wissen, dass ihn dieser Berg nie mehr loslassen wird.

Das letzte Mal am Gipfel seines Lebenswerkes
In den nächsten 53 Jahren widmete sich Friedrich Simony intensiv der Forschung und untersuchte alle möglichen Gegebenheiten am Dachstein: Den Gletscher, die Höhlen, meteorologische Beobachtungen, das Gestein, Kartierungen etc. Er nahm auch an der Gründungsversammlung des Österreichischen Alpenvereins teil. 1890 bestieg Simony das letzte Mal den Dachstein – mit 77(!) Jahren – für die Studie „Das Schwinden des Karlseisfeldes nach fünfzigjährigen Beobachtungen und Aufnahmen“. Er genießt das halbjahrhundertjährige Jubiläum und schreibt in seinen Aufzeichnungen von www.ramsau.com 15
Dachsteiner
einem „Festessen, bestehend aus Speck, Brot, kaltem Tee und Schnaps“ auf einer „windgeschützten, von der Sonne warm beschienener Rasenstelle“. Im Oktober 1895, wenige Monate vor seinem Tod, vollendet Friedrich Simony sein Lebenswerk, eine Dachstein Monographie mit dem Titel: „Das Dachsteingebiet. Ein geographisches Charakterbild aus den ö sterreichischen Nordalpen. Nach eigenen photographischen und Freihandaufnahmen illustriert und beschrieben von Dr. Friedrich Simony, k. k. Hofrat und Universitätsprofessor“. Am 20 Juni 1896 stirbt Simony in St. Gallen, wo er bis ins hohe Alter geographische Zeichnungen anfertigte.

Gipfelsieg der Klettersteige
Nach dem Bau des ersten Klettersteigs am Dachstein bekamen auch andere Berge ihre eigenen Steighilfen. 1869 wurde am Großglockner eine 400 Meter lange Seilsicherung installiert, 1873 wurde ein Klettersteig auf die Zugspitze gebaut. In den Pyrenäen erhielten 1880 der Midi d‘Ossau und 1881 der Ordesa eiserne Aufstiegshilfen. Im deutschen Alpenraum war 1899 der Heilbronner Weg einer der ersten klassischen Klettersteige, während in den Dolomiten die Marmolata 1903 ausgerüstet wird.

Den Ursprung des modernen Klettersteigs sehen Experten im Ersten Weltkrieg. Vor allem der Gebirgskrieg zwischen Österreich-Ungarn und Italien in Südtirol und im Gebiet des heutigen Slowenien, wo um jeden Gipfel gekämpft wurde. Dafür mussten natürlich Zugangswege geschaffen werden, bestes Beispiel ist der sogenannte Leiternsteig am Toblinger Knoten in den Sextener Dolomiten.

In den 70er Jahren zeichnete sich in den Alpen ein Klettersteigboom ab und so wurden alte Steiganlagen saniert und neue Klettersteige errichtet. Seit der Jahrtausendwende begannen viele Regionen mit dem Bau von Sportklettersteigen. Diese unterscheiden sich meist durch besondere Attraktionen oder Schwierigkeiten von den herkömmlichen Steigen. Beispielsweise werden Überhänge oder Seilbrücken in den Steig miteinbezogen, welche den sportlichen Bergtourist neue Herausforderungen bietet.

Klettersteig-Eldorado – Ramsau am Dachstein
Mit der Fertigstellung des ersten Klettersteiges der Alpen durch Friedrich Simony wird die Ramsau heute zu Recht als „Wiege der Klettersteige“ bezeichnet. Es war nicht nur das ideale Plateau, die perfekten Kletterbedingungen oder der Charakter des Gesteins, sondern auch das atemberaubende Panorama am Gipfel des Dachsteins. 1878 folgte ein weiterer Klettersteig, danach dauerte es über 100 Jahre, bis dieses einzigartige Potenzial des Dachsteinmassivs wieder in den Vordergrund rückte.

Der erste Klettersteig der Neuzeit war 1999 „Der Johann“ an der Südwand des Dachsteins. Ein Jahr darauf folgte der Kinderklettersteig „Kali“, danach wurde jedes Jahr – bis 2012 – ein neuer Via Ferrata (vom italienischen „Eiserner Weg“; aufgrund der verwendeten Eisenstifte) errichtet: der Gjaidsteinklettersteig, Irg, Hunerkogel-Ostwand, Koppenkarstein, die Generalsanierung der Klettersteige Hohe Rams und Scheichenspitz, Westgrat, Hias, Skywalk, der Dachstein Randkluftsteig, Siega, der zweite Kinderklettersteig „Kala“, Anna, Amonsteig, der Austria Klettersteig Sinabell und die Sanierung des Dachstein Westgrates und des Jubiläumsklettersteigs „Eselstein“.
Heute ist Ramsau am Dachstein das Klettersteig-Eldorado Österreichs. Egal ob Anfänger oder Profi – mit 18 Klettersteigen findet jeder Bergsteiger das passende Terrain. Neben der sportlichen Herausforderung ist es auch das einzigartige Panorama, dass das „Klettersteigen“ am Dachstein so besonders macht – zu jeder Tour gibt es atemberaubende Ausblicke und wunderschöne Naturlandschaften kostenlos dazu.
Weitere Highlights warten ebenfalls am „Dach der Steiermark“: Mit dem Dachstein Skywalk, der Hängebrücke, dem Eispalast und der „Treppe ins Nichts“ ist der Gletscher auch mit tollen Attraktionen ausgestattet, inklusive leichter Erreichbarkeit mit der Dachstein Seilbahn. Obwohl ein Gipfelsieg durch die eigene Kraft das Erlebnis um ein Vielfaches steigert.

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