Gelebter Glaube neu entdeckt

Sonderausstellung erzählt von 500 Jahren Reformation

„Glaubenskiste 15-17-2017“ lautet der Titel der aktuellen Sonderausstellung, die den Ort Ramsau am Dachstein über ein Jahr lang prägen wird. Und das nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch. Zirka vier Prozent der Österreicher sind evangelisch. In Ramsau am Dachstein hingegen liegt die Anzahl der Protestanten bei rund 80 Prozent. Denn der heutige Urlaubsort war einst ein Geheimtreffpunkt für Anhänger des reformierten Glaubens. Versteckt im Gepäck der Salzträger fand die Lutherbibel ihren Weg über das Dachstein-Massiv in die Hände heimischer Bauern. Über Generationen hinweg haben die Ramsauer den protestantischen Glauben heimlich praktiziert und weitergegeben. Auch heute noch wird in Familienverbänden gebetet, gesungen und aus der Bibel gelesen. Vor allem mit diesem Aktualitätsbezug beschäftigt sich die diesjährige Sonderausstellung „Glaubenskisten 1517-2017“.

Auf Schatzsuche begeben

15 Holzkisten werden ab der Ausstellungseröffnung am 24. Mai in ganz Ramsau am Dachstein zu finden sein. In die Bestückung der sogenannten „Glaubenskisten“ wurden die Einwohner der Tourismusgemeinde eng miteinbezogen. Über Jahrhunderte lang hat der Protestantismus Kultur, Brauchtum und Bildungsstand maßgeblich beeinflusst. Doch welche Bedeutung hat der Glaube heutzutage für die örtliche Bevölkerung? Interviews mit Menschen verschiedener Altersgruppen geben Antwort auf diese zentrale Fragestellung. Neben Audioaufzeichnungen gehören themenbezogene Zeichnungen und Textausschnitte zum weiteren Inhalt der Glaubenskisten. Im Büro des örtlichen Tourismusverbands und im Museum „Zeitroas“ ist eine spezielle Wanderkarte erhältlich, mit der jede Glaubenskiste aufgespürt und deren Inneres auf eigene Faust entdeckt werden kann. Die roten Fäden der Sonderausstellung laufen im Museum „Zeitroas“, im Zentrum von Ramsau am Dachstein, zusammen. Hier wird Besuchern die Auseinandersetzung mit Religion und Tradition nicht nur dargeboten, sondern eingeladen, sich aktiv daran zu beteiligen.

95 Thesen oder 96,97, …, 168?

Geheime Bibelverstecke, beten in verschlossenen Bauernstuben, Gottesdienste an verborgenen Orten in den Bergen – im Wandel der Zeit haben sich Religionskonflikte zwar verändert, trotzdem sind sie allgegenwärtig. Martin Luther wies in seinen 95 Thesen auf den Missbrauch beim Ablass hin. Im 16. Jahrhundert verfasst, war das Schriftstück Gegenstand öffentlicher Diskussion. 500 Jahre später bietet die Ausstellung „Glaubenskisten 1517-2017“ Möglichkeit, selbst eine These zu verfassen und diese im öffentlichen Raum aufzuhängen. Die Sonderausstellung soll nicht nur Besucher, sondern auch Bewohner von Ramsau am Dachstein ansprechen, sich mit Glaube, Tradition und der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Eine gute Möglichkeit, Wissen aufzufrischen und neu zu überdenken.