Interview mit Albert Prugger- „Beim Dreh muss ich auch Grenzen aufzeigen“

Interview mit Berg- und Flugretter Albert Prugger, der nicht nur im echten Leben, sondern auch in der ZDF-Serie „Die Bergretter“ im Einsatz ist.

Wäre Albert Prugger die Hauptfigur in einem Drehbuch, dann läge der zentrale Aufnahmeort klar auf der Hand: Die Berge. Beinahe täglich umkreist er sie, landet auf ihnen, besteigt sie, überquert sie. Denn der 51-jährige arbeitet als Bergführer und leitender Flugretter. Seit mittlerweile 20 Jahren ist er Einsatzleiter der Bergrettung Ramsau am Dachstein. Wie erfahren Prugger in seinem Beruf ist, weiß auch das Filmteam der Erfolgsserie „Die Bergretter“. Seit Beginn der Dreharbeiten in Ramsau am Dachstein ist er eng in die Produktion eingebunden. Im Interview mit dem „Dachsteiner“ spricht der Ramsauer über Fiktion und Wirklichkeit seines Berufs und verrät, warum er am Set auch mal bremsen muss.

Albert, bereits seit Jahren wirkst du beim Dreh der ZDF- Serie „Die Bergretter“ mit. Wie kam es dazu und was ist deine Aufgabe am Set?

Die Zusammenarbeit ergab sich, weil ich als leitender Flugretter am ÖAMTC Christophorus 14-Stützpunkt in  Niederöblarn arbeite. Und da der Hubschrauber der Fernsehserie eine Maschine unseres Unternehmens ist, sind mein Kollege, der Pilot Robert Schornsteiner, und ich in die Dreharbeiten eingebunden. Robert und weitere Piloten fliegen den Notarzthubschrauber, der in der Serie zur Bergrettung Ramsau gehört. Gemeinsam weisen wir das Filmteam auf Besonderheiten und Gefahren bei Bergungsszenen hin. Das betrifft vor allem die Machbarkeit von Einsätzen mit dem Tau.

Kam es schon vor, dass Taubergungen, so wie sie im Drehbuch stehen, nicht machbar sind?

Eine Bergung, wie wir sie im echten Leben durchführen, interessiert die Zuschauer nicht. In der Serie müssen Ret- tungsszenen viel spektakulärer sein – am besten mit einem Kriminalfall verbunden. Die Herausforderung besteht darin, die Vorgaben des Drehbuchs, die Vorstellungen des Regisseurs und die Sicherheitsvorschriften unseres Hubschrauberunternehmens unter einen Hut zu bringen. Da kommt es schon vor, dass wir klare Grenzen in der Durchführbarkeit aufzeigen müssen.

Wäre der Dreh sonst zu risikoreich für die Mitwirkenden?

Der Regisseur versucht natürlich das Beste aus seinem Material herauszuholen, um Top-Szenen zu produzieren. Da müssen wir oft ein wenig bremsen. Weniger deshalb, weil ein zu hohes Gefahrenpotenzial entstehen würde – schließlich will auch die Filmgesellschaft nichts riskieren – sondern vielmehr, um gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen. Das ist in der Fliegerei ziemlich heikel.

Stehst du auch selbst vor der Kamera?

Ja, als Double. Es braucht einen ausgebildeten Flugretter, der am Tau hängt. Das gilt auch für den Dreh.#

In der Serie passieren spektakuläre Rettungsszenen. Gab es auch im echten Leben außergewöhnliche Einsätze, die dir speziell in Erinnerung geblieben sind?

Ja, besonders einer. Durch ein neues Bergeverfahren konnten wir 2001 erstmals längere Bergetaue bei Einsätzen verwenden. In diesem Jahr haben Robert Schornsteiner und ich die erste Longline-Rettung in der Dachsteinsüdwand durchgeführt. Das war ein Meilenstein in der Flugrettung am Dachstein. Durch ein 110 Meter langes Seil am Hubschrauber konnten wir einen schwerverletzten Kletterer aus einer sehr schwierigen Lage befreien, der nach alter Rettungsmethode wahrscheinlich nicht überlebt hätte.

Wie hätte diese Rettungsaktion ein paar Jahre zuvor ausgesehen?

Bei einem solchen Einsatz mussten wir zuerst die Bergretter auf den Gipfel fliegen, die sich von dort aus zum Verletzten abgeseilt haben. Nach einer erfolgreichen terrestrischen Bergung wurde der Verunglückte am Grat notärztlich versorgt. Erst dann konnten wir ihn ins Krankenhaus fliegen. In diesem Fall hätte das in Summe zu lange gedauert.

Wie können Bergsteiger Unfälle vermeiden? Was ist dein Rat?

Eine gute Vorbereitung ist wichtig. Wir mussten schon Leute bergen, die zu spät weggegangen sind und sich im Dunkeln verirrt haben. Also, Dauer und Schwierigkeitsgrad der Tour sowie Wetterbericht checken. Gerade Hagel und Gewitter können im Gebirge rasch aufziehen. Oft hapert es auch an der richtigen Selbsteinschätzung. Eine konditionell anstrengende Tour zeigt einem schnell die körperlichen Grenzen auf und auch die von mitgeführten Kindern.

Würdest du deinen Job als gefährlich bezeichnen?

Wir versuchen zwar, die Risiken für das Rettungsteam zu minimieren und den Eigenschutz in den Vordergrund zu stellen. Trotzdem ist unser Job gefährlich. Meist müssen wir bei miserablem Wetter ausrücken. Da kann man nie sagen, was passiert.

Bist du auch in deiner Freizeit in den Bergen unterwegs, oder bevorzugst du einen anderen Ausgleich zu deiner Arbeit?

Privat mache ich ganz was anderes. Nein, Blödsinn (lacht). Auch in meiner Freizeit bin ich fast täglich in den Bergen unterwegs. Ich klettere total gerne. Zum Beispiel in den Südwänden des Dachstein – das lässt mein Herz schon höher schlagen. Nur gemütlich wandern habe ich für mich noch nicht entdeckt. Aber vielleicht kommt das noch (grinst).