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Wandern am Pilgerweg „Der Weg des Buches“

Auf den Spuren protestantischer Bibelschmuggler aus vergangenen Jahrhunderten wandern: Das ermöglicht der neue Pilgerweg „Der Weg des Buches“. Der Pilgerweg startet als Radweg in Passau und führt über 29 Tagesetappen nach Kärnten. Die Wanderer folgen den Pfaden, auf denen Schmuggler Bibeln, Gesangsbücher und Andachtsbücher von Bayern nach Österreich brachten. Begleitet wird die Tour von einem Wanderführer, der ebenfalls den Titel „Weg des Buches“ trägt und zahlreiche Informationen über Wanderrouten, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten bietet.

Die Wegstrecke:
„Der Weg des Buches“ startet als Radweg in Passau und führt in fünf Tagesetappen bis nach Ebensee. Ab dort beginnt der Bibelschmuggelwanderweg auf dem Soleweg über Bad Goisern, an alten Höhlentreffpunkten der Geheimprotestanten vorbei, bis nach Hallstatt und Gosau, dann auf dem Bibelsteig über den Steiglpass nach Ramsau am Dachstein und weiter nach Schladming. Die weiteren Tourorte sind u. a. Tamsweg, Ramingstein, Feld a. S./Afritz, Bad Bleiberg bis zum Wegende in Arnoldstein.
Die (vorgeschlagenen) 29 Tagesetappen, fünf Radtouren und 24 Wandertage, beschreiben einen thematischen Weitwanderweg auf bestehenden Rad- und Wanderwegenetzen.

 

Der Wanderführer:
Ein professionell gestalteter Wanderführer mit dem gleichnamigen Titel Der Weg des Buches bietet allen Interessierten zahlreiche Informationen über Wanderrouten, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten. Das vom evangelischen Bischof Michael Bünker und Pfarrerin Margit Leuthold herausgegebene Buch gibt ferner wertvolle Hinweise auf die oft versteckten kunst- und kirchengeschichtlichen Sehenswürdigkeiten am Weg.

Hintergrund:
1521 brachten Bergknappen, Handwerker und Kaufleute die Schriften von Luther nach Österreich. Adelige schlossen sich der reformatorischen Bewegung an. Ende des 16. Jahrhunderts begann mit der Gegenreformation eine systematische Verfolgung der österreichischen Protestanten und eine Rekatholisierung der Kirchen und Gemeinden. Die lutherischen Lehrer und Prediger wurden vertrieben, Anhänger der lutherischen Lehre wurden denunziert und teilweise deportiert. In Ramsau am Dachstein aber hielt sich die protestantische Bewegung. Die Bauern feierten Gottesdienste an geheimen Plätzen (Moarhof-Tenn, Predigtstuhl) nach „lutherischer Art“ und in ihrer Sprache. Predigtbücher, Gesangsbücher und Lutherbibeln wurden dabei über verschlungene Pfade aus dem süddeutschen Raum in die Ramsau geschmuggelt und vor den katholischen Häschern versteckt. Noch heute sind einige Exemplare aus dieser Zeit erhalten. Mit dem Erlass des Toleranzpatentes am 13. Oktober 1781 durch Kaiser Joseph II wurde der 150-jährige Geheimprotestantismus beendet. Fast die ganze Bevölkerung von Ramsau erklärte sich danach „akatholisch“, wie die Protestanten damals offiziell genannt wurden.

Der kirchen-, kunst- und kulturhistorische Führer:
Wertvolle Hintergrundinformationen zur evangelischen Geschichte der beschriebenen Regionen und ihrer Menschen enthält Das Buch zum Weg. Die AutorInnen Rudolf Leeb, Astrid Schweighofer und Dietmar Weikl beschreiben anhand der am Weg liegenden Erinnerungsorte und Gedächtnisstätten das Schicksal und den Umgang mit dem Protestantismus in seinen Blütezeiten und zur Zeit der Verfolgungen, Massenausweisungen und Emigrationen. Das Buch erzählt von den Besonderheiten des Geheimprotestantismus und erweckt damit einen nahezu unbekannten, äußerst spannenden und wichtigen Teil österreichischer Geschichte zu neuem Leben.

Entwickelt wurde der Pilger-, Rad- und Wanderweg auf Initiative der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich in Kooperation mit „respect“ (Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung). Die Eröffnung erfolgte im Oktober 2008 in Ramsau am Dachstein. Weitere Informationen unter www.wegdesbuches.at.

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