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Die Wiege der Klettersteige

Metall auf Metall – ein greller Ton bahnt sich seinen Weg durch die Luft. Ding! Ding! Ding! Stille. Nach minutenlanger Pause kehrt langsam die Melodie der Natur zurück. Zwitschernde Vögel ziehen ihre Kurven am Himmel. Der Wald beteiligt sich mit einem knacksenden Konzert. Von Weitem hört man leise die Glocke der Kirche, bis plötzlich wieder der grelle Ton die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ding! Ding! Ding!
Es ist ein Hammer, der versucht, einen Eisenstift in die harte Felswand zu schlagen. Ein kräftiger Mann drischt energisch mit dem Hammer gegen den Eisenstift, dieser versinkt jedoch nur Millimeter für Millimeter in der Wand. Immer und immer wieder schlägt er mit voller Kraft zu. Kurze Verschnaufpause, dann geht’s weiter – bis der Eisenstift endlich zur Hälfte in der Bergwand steckt. Der Schweiß rinnt dem Mann von der Stirn, die Anstrengung ist ihm ins Gesicht geschrieben. Und trotzdem packt er unverzüglich den nächsten Eisenstift aus, setzt an und beginnt von Neuem: Ding! Ding! Ding!
Der Name des Mannes ist Johann Wallner, ein Bergführer aus Hallstatt, der im Auftrag eines gewissen Friedrich Simony (später als Geograf und Alpenforscher bekannt) eine Steighilfe auf den Dachstein baut. Am 27. August 1843 ist diese Steighilfe fertiggestellt – mit Eisenstiften, Handhaken, eingemeißelten Tritten und einem langen, dicken Schiffstau. Kurz darauf erklimmt der Auftraggeber zum ersten Mal den Dachstein über die gebaute Steighilfe und übernachtet am Gipfel. Was die beiden zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht wissen: Es ist der erste Klettersteig in den Alpen. Sozusagen die Wiege der Klettersteige…

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