Ferdinand Seebacher war schon dort, Herbert Ruf auch, genauso wie Christian Mitter und nun auch ich – die Rede ist von der Silberkarklamm. Die Silberkarklamm gehört zu den Attraktionen von Ramsau am Dachstein und steht auf der Wanderrouten-Liste eines jeden, der in Ramsau am Dachstein seinen Urlaub verbringt, ganz oben. Warum die Silberkarklamm derart bekannt und beliebt ist, hat wohl mehrere Gründe:
Punkt 1: In der Silberkarklamm trifft man immer wieder auf Steinböcke und das ist ein wohl nicht ganz alltägliches Erlebnis.
Punkt 2: Eine Wanderung durch die Silberkarklamm ist absolut familientauglich und dauert rund 40 Minuten. Weiter zur Silberkarhütte benötigt man 20 Minuten.
Punkt 3: Die Silberkarklamm bietet ein unvergleichbares Naturerlebnis, geschaffen von einem Wildbach, der sich unbeirrbar seinen Weg durch steilen Fels gebahnt hat.
Heute habe ich mich selbst auf Wanderung durch das Silberkar begeben und wie es mir dabei ergangen ist, erfahrt ihr hier:

Durch die Silberkarklamm zur Silberkarhütte

Über Weißbach bei Haus gelange ich in den östlichsten Ortsteil von Ramsau am Dachstein, nach „Ramsau Rössing“. Hier biege ich an jener Abzweigung ein, die auch zur Lodenwalke führt. Der weitere Weg zur Klamm ist gut beschildert. Mein Auto stelle ich auf dem großen Parkplatz ab und in wenigen Minuten Gehzeit bin ich auch schon beim Eingang zur Silberkarklamm. Und schon kann’s losgehen.
Auch an heißen Sommertagen ist es in der Silberkarklamm relativ kühl, weshalb ich froh bin, eine Jacke dabei zu haben. Der Wanderweg durch die Silberkarklamm führt abwechselnd über Holztreppen, Steige und Brücken. Stets vorbei am tosenden Wasser des Silberkarbachs. Die Tour zieht neben Wanderern auch Klettersportler an. Denn direkt in der Klamm beginnen die Kletterrouten Rosina, Siega und Hias. Eine Weile bleibe ich sogar stehen und beobachte, wie sich eine Gruppe Bergsportler behände den Fels hinauf hantelt.
Nach rund einer dreiviertel Stunde bin ich am Ende der Klamm angelangt. Hier schlage ich den Weg weiter zur Silberkarhütte ein, wo es allerhand Selbstgemachtes zur Stärkung gibt. Von der Buttermilch pur oder mit Früchten – mein persönliches Highlight, über Kaiserschmarrn und Butterbrot mit Steirerkäs wird eine bunte Palette heimischer Spezialitäten geboten.

Steiler Anstieg mit Belohnung

Hinter der Hütte entdecke ich einen Wegweiser, auf dem jene Touren angeführt sind, die hier ihren Ausgangspunkt nehmen. Ganz spontan entscheide ich, weiter zum Silberkarsee zu wandern. 2 Stunden steht da auf dem Schild, das scheint doch machbar zu sein. Doch der Anstieg ist steil. Hilfe bringen hierbei Trekkingstöcke, die ein schnelleres Vorankommen ermöglichen. Als ich eine kurze Pause einlegen will, zieht eine Gruppe deutscher Studenten an mir vorbei, als wären sie motorisiert. Und das ganz ohne Trekkingstöcke. Tja, offensichtlich bin ich doch nicht in Bestform. Nach zweieinhalb Stunden bin ich am Grubach auf 1923 Höhenmetern angekommen. Der Aufstieg ist somit geschafft. Die Landschaft, die sich nun von mir erstreckt, ist einfach atemberaubend und entschädigt sogleich für die Strapazen des Aufstiegs. Egal, wohin man blickt: Das Wow-Erlebnis lässt einen einfach nicht mehr los. Am Grubach treffe ich eine Urlauberfamilie, die auf dem Weg zur Silberkarklamm ist. Ihre Tour hat am Dachstein begonnen. Über den Gletscher ging es dann weiter zum Guttenberghaus, wo die letzte Nacht verbracht wurde. „Vier Stunden braucht man über den Gletscher zum Guttenberghaus, hat man uns gesagt“, so die Grande-Dame, die Oma der Familie: „Die haben nicht mit mir und dem Buben gerechnet“, lacht sie und deutet auf sich und ihren Enkel. Sechs Stunden waren sie tatsächlich unterwegs, bis das Guttenberghaus erreicht war. „Das ist nicht weiter tragisch“, fügt sie hinzu, „hatten wir doch einen ganzen Tag für die Tour eingeplant. Und einen weiteren für den Weg zur Silberkarklamm.“

Vom Grubach zum Silberkarsee

Obwohl die Urlauberfamilie sich bereits verabschiedet und ihren Weg talwärts angetreten hat, stehe ich immer noch am Grubach. Jetzt muss ich mich wohl entscheiden. Bleibe ich bei meinem Plan und biege links zum Silberkarsee ab, oder schlage ich doch den anderen Weg ein, der eineinhalb Stunden weiter bergwärts bis zum Guttenberghaus führt. Schlussendlich entscheide ich mich doch für den See. 15 Minuten steht da auf der Tafel. Weit kann er also nicht mehr entfernt sein. Und so ist es auch. Über sanfte Hügel schlängelt sich der Weg weiter bis hin zu schroffen Felswänden, an deren Fuße der Silberkarsee eingebettet in einem Kessel liegt. Glasklar und brrr kalt ist sein Wasser. Die Füße tauche ich trotzdem ein. Ach, wie angenehm das ist. Hier treffe ich auch die Studenten wieder, die es sich am Ufer bequem gemacht haben. Für sie ist der Tag noch lange nicht zu Ende. Denn es geht weiter auf die Gjaidalm, die vier Stunden vom See entfernt liegt. Zumindest steht es so auf dem Schild. Allerdings bei dem Tempo, das die Gruppe drauf hat, bin ich guter Dinge, dass sie es in dieser Zeit auch wirklich schaffen. Was mich betrifft, will ich noch ein Weilchen den See genießen, bevor es wieder zurück zur Silberkarhütte geht, wo ich den Tag gemütlich ausklingen lassen und anschießend noch einmal die Silberkarklamm durchqueren werde. Wer weiß, vielleicht treffe ich ja dann auf einen Steinbock.

Ein paar praktische Tipps:

Wenn ihr das Silberkar erkunden wollt, führt euch eure Wanderung durch die Silberkarklamm, vorbei an der Silberkarhütte und hinauf zum Silberkarsee. Dabei solltet ihr folgendes beachten:

  • Ihr braucht feste, wasserdichte Bergschuhe
  • Verwendet Trekkingstöcke. Sie geben euch die nötige Trittsicherheit auf dem schottrigen Untergrund.
  • Nehmt genügend Trinkwasser mit.
  • Brecht früh am Morgen auf. Vom Parkplatz zum Silberkarsee und wieder zurück seid ihr rund 6 Stunden unterwegs.
  • Eine Kopfbedeckung ist ratsam. Der Aufstieg zum Silberkarsee bietet keine schattigen Passagen.