Sebastian Erlbacher ist einer der Männer, die dafür sorgen, dass die weiße Pracht auf den Langlaufloipen von Ramsau am Dachstein nie ausgeht. Er bedient die Schneekanonen und ist schon längst mit seinem Pistengerät unterwegs, wenn alle anderen noch schlafen. So ist das Langlaufen in der Ramsau auch schon früh am Morgen ein Genuss. Heute macht Sebastian eine wohl einmalige Ausnahme und nimmt mich mit auf seiner Runde.

Raus aus den Federn

Es ist gerade einmal fünf Uhr morgens und noch stockdunkel. Der aufkommende Wind bläst mir wild tanzende Schneeflocken ins Gesicht. Auch wenn sie nur Augen und Nase treffen – alles andere habe ich unter einem dicken Schal versteckt, wünsche ich mich zurück in mein warmes Bett. Ich bin es nicht gewöhnt, so früh am Morgen kalte Winterluft zu schnuppern. Und dabei bin ich wohl nicht die Einzige. Niemand ist auf den Straßen zu sehen. Nichts, außer dem Geräusch des Schneepflugs, das von der Straße herab klingt, durchdringt die noch nächtliche Stille. Ich stapfe zur Garage neben dem Langlaufstadion in Ramsau Zentrum. Hier treffe ich Sebastian Erlbacher, der gerade seinen Dienst antritt. „Guten Morgen“, grinst er und seine Augen blitzen schon hellwach unter seiner dunkelblauen Haube hervor. Ganz im Gegensatz zu meinen. Aber das wird sich sicher rasch ändern, denn heute darf ich mithelfen, Ramsaus Loipen zu präparieren. Zumindest einen Teil davon.

Eine Schanze für die Weltbesten

Fünf Pistengeräte sind es in Summe, die den ganzen Winter lang im Einsatz sind. Und ein jedes ist einem bestimmten Zweck zugeteilt. Der größte der fünf Pistenbullys dient allein der Präparierung des Schnees auf der Wettkampf-Schanze für Nordische Kombinierer. „Jedes Jahr findet in Ramsau am Dachstein der FIS-Weltcup statt. Und das noch vor Weihnachten. So früh zu Saisonstart sind wir die Einzigen, die eine Grundauflage aus Schnee in dieser Qualität bieten können“, sagt Sebastian Erlbacher. Die Vorbereitungen ist harte Arbeit, doch die Mühe zahlt sich aus. Sobald die Schanze weiß ist, tummeln sich die besten Springer und Nordischen Kombinierer der Welt in Ramsau am Dachstein. Doch uns wurde heute ein anderer Bereich zugeteilt. Wir ziehen die Loipen im Weltcupbereich und auf der angrenzenden Wiese. Das Areal wird von Langlaufskischulen genutzt und die beginnen schon früh mit ihrem Unterricht. Bis um acht muss alles fertig sein.

Binnen einer Sekunde wird es taghell

„Loipis“ heißen die beiden Geräte, die zwei parallel verlaufende Spuren für die klassische Langlauftechnik ziehen. Schon in Kürze werden sie im Einsatz sein. Zwischen vier und fünf Stunden am Stück dauert die Fahrt mit jedem der beiden, um die gesamte Strecke des klassischen Loipennetzes perfekt in Schuss zu halten. Und das, je nach Schneefall, zwei bis drei Mal täglich. Doch auch diese Geräte benutzen wir heute nicht. Für uns geht es über die breiten Ketten hinauf in das Fahrerhaus eines weiteren Pistenbullys, der um einiges größer ist als die beiden „Loipis“. Der Fahrersitz befindet sich direkt über dem Motor. „Früher hat sich die Wärme, die der Motor produziert, aufgrund der schlechten Isolierung auch auf das Fahrerhaus ausgedehnt. Da war es echt heiß hier drin“, erzählt Sebastian Erlbacher.
Das ist allerdings „Schnee von gestern“. In den neuen, gut isolierten Pistengeräten reguliert allein die eingebaute Heizung die Innentemperatur und sorgt für eine angenehme Wärme. Doch im Moment ist davon noch nichts zu merken. „Beim Losfahren ist es schon echt kalt“, sagt Sebastian, während er den Motor startet. Aus dem Radio ertönt laute Musik. Langsam setzt sich das schwerfällige Gerät in Bewegung und rollt aus der Garage. Als Sebastian Erlbacher die Scheinwerfer aktiviert, wird es rund um den Bully taghell. Das Gerät wird von einem Dieselmotor angetrieben und klingt ähnlich einem Lastwagen. Nun ist es endgültig vorbei mit Dunkelheit und Stille – der Arbeitstag beginnt.

Sicherheit geht vor

Mit rund 10 km/h Geschwindigkeit geht es von der Garage in das nur wenige Meter entfernte Langlaufzentrum, wo Sebastian mit dem Präparieren der Loipen beginnt. Um so härter der Schnee ist, der die Wiesen bedeckt, umso langsamer muss er fahren. Da es heute schneit, geht das Spuren zügig voran. Nachdem wir einige Runden gedreht haben, kommt uns ein Langläufer mit Stirnlampe entgegen. „Das ist sicher ein Einheimischer. Da gibt es manche, die schon um diese Zeit laufen. Auch bei diesem Wetter“, erzählt Sebastian und hält das Gerät an. Denn „so ist am sichersten“, weiß er. In den nächsten Stunden treffen wir auf keine Menschenseele mehr. Erst als es hell wird, tummeln sich mehr und mehr Langläufer auf den Loipen. Inzwischen sind wir mit dem Spuren im Weltcupbereich fertig. Als nächstes ist die Präparierung der Skatingloipen an der Reihe. Um die Mittagszeit ist auch das geschafft. Nun ist die Tour zwar abgeschlossen, doch von Feierabend kann noch keine Rede sein. Da der Schneefall nicht nachlässt, muss Sebastian gleich die nächste Runde mit dem Loipengerät drehen. „Der Wetterbericht meldet, dass es erst um vierzehn Uhr zu schneien aufhört. Dann habe ich ein paar Stunden Pause, bevor ich am Abend mit der gesamten Tour wieder von vorne beginne“, schildert er seinen noch bevorstehenden Arbeitseinsatz, der an diesem Tag wohl noch bis Mitternacht dauern wird. Wenn morgen früh kein Schnee fällt, darf er ausschlafen und muss erst am Abend wieder ausrücken. Doch das ist derzeit noch ungewiss. „Dabei fällt der beste Schnee gar nicht vom Himmel“, lacht Sebastian Erlbacher, denn „für die Loipen ist Kunstschnee idealer. Der Neuschnee kommt eigentlich nur dem Landschaftsbild zu Gute“, fügt er hinzu.

30.000 m³ an Schneevorrat

17 Loipenkreise mit einer Gesamtlänge von bis zu 220 Kilometern stehen Wintersportlern in Ramsau am Dachstein zur Verfügung. „Wir stellen perfekt präparierte Loipen ganz ohne Neuschnee her“, sagt Sebastian. Das ermöglicht die sogenannte „Snowfarming“-Methode. Bei diesem Verfahren wird Schnee konserviert und über den Sommer in Depots gelagert. So stehen 30.000 m³ Schnee für die Herstellung der Loipen in Ramsau am Dachstein zur Verfügung. Und das völlig witterungsunabhängig. „Wir wollen immer die ersten in Mitteleuropa sein, die eine Loipe auf Schnee haben“, trumpft Sebastian auf. Und das schaffen die Ramsauer in der Regel auch. Um die Saison bereits Ende November eröffnen zu können, gibt es viele helfende Hände. Sebastian Erlbacher und das Team der Loipenpräparierung bekommen tatkräftige Unterstützung von einheimischen Landwirten und Grundstücksbesitzern, die mit Traktoren und Lastwägen den eingelagerten Schnee auf die Langlaufstrecken verteilen. Damit die weiße Loipe auch während der nächsten Monate weiß bleibt, wird laufend neuer Schnee produziert. Und zwar durch Schneekanonen. „Hinter der Loipenbeschneiung steckt viel Handarbeit“, erklärt Sebastian, denn die Schneekanonen müssen oft ihren Standort ändern, „im Gegensatz zu den Skipisten benötigen wir keine großen Schneehaufen. Es müssen viele kleine sein, die wir dann gut auf der Strecke verteilen können.“

Als Co-Pilot im Pistenbully

Viel Eigenverantwortung, Organisationstalent und vor allem Fleiß werden den Männern des Loipendienstes abverlangt. Auf die Frage, warum er sich gerade für diesen doch nicht ganz alltäglichen Job entschieden hat, sagt Sebastian: „Schon als Kind war es mein Traum, selbst einmal einen Pistenbully zu fahren. Mich faszinieren diese Maschinen einfach.“ All jene, die diese Begeisterung für Pistengeräte teilen, haben während der Wintermonate jede Woche Donnerstag ab 16 Uhr die Möglichkeit, mit dabei zu sein, wenn die Loipe im örtlichen Langlaufzentrum frisch gespurt wird. Denn dann sind Erwachsene sowie Kinder gleichermaßen eingeladen, Platz im Fahrerhaus zu nehmen, um gemeinsam mit Sebastian Erlbacher oder einem anderen Mitarbeiter des Loipendienstes, ein Runde im Pistenbully zu drehen. Für RamsauWintercard-Besitzer ist dieser Service kostenlos. Erhältlich ist die umfangreiche Bonuskarte bereits ab einer Übernachtung in ausgewählten Unterkünften in Ramsau am Dachstein.