Die Bergretter: Drehen ist ein tägliches Abenteuer
Seit acht Jahren ist Ramsau am Dachstein Drehort für die ZDF-Fernsehserie „Die Bergretter“. „Im Gebirge ist alles anders, da kehrt nie Routine ein“, weiß Herbert Ruf, Aufnahmeleiter der Erfolgsserie. Einen Tag vor Drehbeginn eines Blocks der achten Staffel habe ich ihn im Hotel Pehab-Kirchenwirt getroffen, wo er mit mir über seine zweite Heimat und über die Herausforderungen gesprochen hat, die Drehorte in den Alpen mit sich bringen.
Sie timen und organisieren die Drehtage. Kehrt in diesem Job jemals Routine ein oder gleicht kein Tag dem anderen?
Man hat zwar irgendwann mal Erfahrung. Aber im Gebirge ist alles anders, da kehrt nie Routine ein. Bei uns liefern die Leute nicht bloß Dialoge vor vorhandenen Dekorationen ab. Wir müssen uns ständig neue Tricks ausdenken, dass es so aussieht, als ob die Schauspieler wirklich ganz hoch oben im Gebirge abstürzen würden. Unterstützung erhalten wir dabei von der örtlichen Bergrettung. Generell ist es hier angenehm zu drehen. Man stößt in der Bevölkerung auf viel Wohlwollen.
Was meinen Sie, identifizieren sich die Ramsauer mit der Serie?
Die Ramsau wird in der Serie ausdrücklich genannt. Es ist nicht einfach nur eine Kulisse mit einem fiktiven Namen. Ich glaube, die Ramsauer sind stolz, dass ihre Heimat Drehort ist. Die Serie hat einen positiven Effekt für die Gegend. Das sehe ich allein schon an den Fanwanderungen.
Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Morgens fahre ich an den Drehort und überprüfe, ob alle Abläufe auch so funktionieren können, wie wir sie uns ausgedacht haben. Dann bespreche ich mit dem Regisseur und den Kameraleuten, auf welche Besonderheiten sie achten müssen. Anschließend begleitete ich sie zum Motiv, prüfe, ob genug Leute da sind, ob genug Zeit eingeplant wurde und ob der Transport klappt. Danach fahre ich ins Büro und arbeite an der Dispo, der zeitlichen Einteilung, für den nächsten Drehtag. Wichtig sind dabei der Wetterbericht und die Rückmeldungen vom Drehort. Können nicht alle Szenen gedreht werden, muss ich diese wieder einkalkulieren. Nach Drehschluss geht’s zurück ans Set. Dort besprechen wir den Plan für den nächsten Drehtag und reden über den vergangenen. Was gut geklappt hat und was weniger. Dann wieder ab ins Büro zum Wettercheck.
Was war Ihre größte organisatorische Herausforderung der letzten Drehjahre?
In einer Szene der siebten Staffel kam eine Bergung aus einem abgestürzten Flugzeug vor. Also mussten wir ein Flugzeugwrack in das Schnittlauchmoos schaffen. Wir haben einen Hubschrauber organisiert, der eine Last von vier Tonnen transportieren kann. Doch um auf diese vier Tonnen zu kommen, mussten wir das Wrack erst noch zerlegen. Und dann das Set so gestalten, dass es so aussieht, als läge das Wrack auf einer Felskante. Eine falsche Bewegung und es würde kippen und in die Tiefe stürzen.
Sie haben sich für einen Job hinter der Kamera entschieden. Gibt es Momente, in denen Sie gerne mit den Schauspielern tauschen würden?
Nein, ich habe klar erkannt, dass ich an der richtigen Stelle bin (lacht). Im Gegensatz zu den Schauspielern lebt man auch vor Ort, wenn man in der Produktion arbeitet. Das Organisatorische passt zu mir.
Seit sieben Jahren arbeiten und leben Sie halbjährlich in der Ramsau. Fühlen Sie sich mittlerweile hier schon heimisch?
Ja, das ist der Grund, warum ich immer noch mit dabei bin. Bislang bin ich noch nie so lange bei einem Produkt geblieben wie bei den „Bergrettern“. Es kommt mir einfach entgegen, dass ich hier Skitouren machen oder klettern oder Rad fahren kann. Es ist das ganze Ambiente. Wenn ich den Dachstein sehe, dann geht mir schon das Herz auf. Außerdem habe ich mich im Laufe der Zeit mit Einheimischen angefreundet.
Ertappen Sie sich manchmal dabei, im österreichischen Dialekt zu sprechen, oder hat die Sprache auf Sie noch nicht abgefärbt?
Ich merke schon, dass sich das Österreichische in meinen bayrischen Dialekt einschleicht. Trotzdem versuche ich, es zu vermeiden. Der ortstypische Dialekt sollte den Einheimischen vorbehalten bleiben.
Gibt es Plätze in der Ramsau, an denen Sie sich besonders wohl fühlen?
Ja. Das Edelgrieß im Firn hinunter zu wedeln. Das ist immer wieder ein Highlight für mich.