Eisblauer Himmel und eine dicke Schneedecke, die in der Sonne glitzert. Ja, das motiviert, um hinaus in die freie Natur zu gehen. Langlaufen, Skifahren, Rodeln, eine Pferdeschlittenfahrt, oder einfach nur mal Winterwandern? Ramsau am Dachstein bietet ein breitgefächertes Angebot, um den Winter in allen Zügen zu genießen. Ich habe mich heute für einen rund einstündigen Spaziergang zum Frienerhof entschieden, wofür ich einen präparierten Winterwanderweg benutze. Der Frienerhof ist übrigens kein konventioneller Bauernhof. Hier hat man sich ganz dem biologischem Anbau verschrieben.

Winterwandern auf der Kulmbergrunde

Ich starte beim Büro des Tourismusverbands in Ramsau am Dachstein, wo ich auch mein Auto parke. Von dort aus sind es nur wenige Minuten zur katholischen Pfarrkirche, hinter der mehrere Langlauf-Routen und Winterwanderwege beginnen. Ich halte mich rechts und wandere über eine schneebedeckte Wiese zum Ennstalerhof. Schneeschuhe brauche ich heute keine. Der Weg ist gut präpariert und warme Winterstiefel genügen völlig. Am Ennstalerhof quere ich die Straße und gehe vorbei an Mode Schrempf und Mineralien Plut, um auf den Winterwanderweg „Kulmbergrunde“ zu gelangen, der auch als Schlittenweg genutzt wird. Eine gute Stunde wandere ich nun durch die tiefverschneite Landschaft und genieße die Wintersonne bis ich an einer Tafel mit der Aufschrift „Frienerstube“ vorbeikomme. Dass es hier nur Gutes in Bio-Qualität gibt, scheint sich herumgesprochen zu haben, denn die Sonnenterrasse vor dem Frienerhof ist gut besucht. Zwar sehe ich den einen oder anderen freien Platz, entscheide dann aber doch, mich hinein in die Frienerstube zu setzen. Schließlich will ich mich dort mit den Besitzern Claudia und Georg Berger unterhalten, um herauszufinden, was Bio für sie bedeutet.

Am Frienerhof im Einklang mit der Natur

Ein Dielenboden aus Holz, Möbeln verziert mit Bauernmalerei, ein grüner Kachelofen und Kupferbackformen, die an den Wänden baumeln. Dass der Frienerhof in Ramsau am Dachstein ein geschichtsträchtiges Gebäude ist, wird mir schon beim Eintreten klar. Am Tisch in der Ecke ist eine Jahreszahl eingraviert. 1741 ist dort zu lesen und „der runde Tisch daneben ist noch älter“, weiß Georg Berger. Mit seiner Frau Claudia führt er den Frienerhof in der neunten Generation. Die Möbelstücke in der Frienerstube hat man ganz bewusst nicht ausgetauscht. Sie widerspiegeln die Überzeugung der Familie, der nächsten Generation Intaktes zu hinterlassen. Ein intaktes Heim, einen intakten Bauernhof und vor allem eins: Eine intakte Umwelt. Demnach ist biologischer Anbau für Claudia und Georg Berger mehr als eine bloße Vermarktungsschiene. „Wir betreiben einen Bio-Bauernhof aus Überzeugung“, sagt Georg Berger, denn „jeder kann einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.“ Und so ist alles, was am Frienerhof auf den Tisch kommt, zu 100 Prozent aus biologischem Anbau.

Bio-Urlaub in Ramsau am Dachstein

Das ganze Jahr über kann man am Frienerhof Ferienappartements mieten und während der Winterzeit haben Stube und Sonnenterrasse auch für Spaziergänger, Langläufer, Wanderer – ja, für alle, die am Frienerhof vorbeikommen – geöffnet. Auf der Speisekarte finden sich Bioprodukte vor allem aus eigener Herstellung. Über 50 verschiedene Blumen und Kräuter baut Claudia Berger in ihrem Garten an. Aus ihnen stellt sie Säfte und Tees her und verwendet sie zum Würzen. Milch und Fleisch liefern die rund 40 Kühe, die hier am Frienerhof leben. Besonders stolz sind Georg und Claudia Berger auf ihre alten, seltenen Apfelsorten, die im Garten gedeihen. Sie werden zu Säften, Most und Mehlspeisen, unter anderem zu Apfelstrudel, verarbeitet. Der steht übrigens auch auf der Speisekarte. Trotzdem entscheide ich mich heute für eine Topfentorte. Natürlich mit Topfen aus Eigenproduktion. Mhhhhhm.

Umweltbewusstes Handeln und Denken

Nachhaltiges Wirtschaften und der sorgsame Umgang mit Ressourcen wird in Ramsau am Dachstein nicht nur am Frienerhof praktiziert. Vor nahezu 20 Jahren haben sich Bauern, Kaufleute und Gastronomen zusammengeschlossen und den Verein „Ramsauer Bioniere“ gegründet. Dieser Zusammenschluss ermöglicht es, Gästen einen erholsamen Urlaub im Einklang mit der Natur zu bieten. Denn alle Mitglieder verbindet umweltbewusstes Handeln und Denken. Neben vollbiologischer Landwirtschaft ohne Einsatz von Gentechnik wird auch beim Zukauf von Lebensmitteln auf Bio-Qualität und sozial verträglichen Anbau und Handel geachtet. „So ist es uns von unseren Eltern beigebracht worden, und so geben wir es an unsere Kindern weiter“, betont Georg Berger und ist sich sicher, dass sein Sohn den Frienerhof eines Tages so fortführen wird, wie ihn jetzt seine Eltern betreiben: Mit dem Fokus auf Umweltschutz, Klimaverantwortung, Ernährungsbewusstsein und der Liebe zu Mensch und Tier.